Was unterscheidet den Frauenfußball vom Männerfußball?

Die sportlich erfolgreichste Zeit der deutschen Nationalmannschaft der Frauen liegt mit zwei WM-Titeln (2003, 2007) und zahlreichen Europameisterschaften einige Jahre zurück. Einen weiteren Höhepunkt stellte die Austragung der Frauen-WM 2011 in Deutschland dar, die zu einem weiteren Anstieg an spielenden Mädchen führte. Obwohl der letzte große Titel, das olympische Gold 2016, auch bereits vier Jahre zurück liegt, hat sich der Frauenfußball in seiner Professionalität und Qualität stetig weiterentwickelt. Inzwischen führen Vereine wie FC Bayern, VFL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim, die eigentlich aus dem Männerfußball bekannt sind, die Bundesliga der Frauen an. Deshalb möchten wir heute zwei Arbeiten vorstellen, die den Frauenfußball in seinen Bedingungen und Anforderungen mit dem Männerfußball vergleichen.

Geschlechtsspezifische Besonderheiten der konditionellen Anforderungen im Hochleistungsfußball der Frauen (Jansen et al., 2011)

Ressourcenmodell, Leistungsdiagnostik und Training der konditionellen Fähigkeiten im Frauen- und Männerfußball (Freiwald et al., 2011)

Ziel des Beitrags

Der Hochleistungsfußball der Frauen soll mit dem der Männer verglichen werden. Dabei geht es nicht darum, konditionelle Differenzen aufzudecken und zu bewerten. Stattdessen sollen Ressourcen identifiziert werden, die im Frauenbereich ebenfalls genutzt werden können. Da sich die generelle Forschung hauptsächlich mit dem Männerfußball beschäftigt hat, ist dies ein wichtiger Schritt, um den Frauenfußball weiter zu verbessern und zu professionalisieren.

Professionalisierung und Infrastruktur

Viele der Fußballerinnen der Bundesliga, der höchsten deutschen Spielklasse, üben neben dem Fußball eine weitere Tätigkeit aus (Beruf, Studium, Ausbildung, etc.). Dies ist eine Doppelbelastung, die es im vollprofessionellen und hochbezahlten Männerfußball nicht gibt. Die Doppelbelastung ist mit Problemen behaftet, weil zum Beispiel soziale Kontakte darunter leiden. Diese Umstände sind allgemein nicht leistungsförderlich.
Ein weiterer Punkt ist die Infrastruktur im Frauenfußball, bezogen auf Aspekte wie Platz- und Trainingsbedingungen, Personal, medizinische/physiotherapeutische und trainingswissenschaftliche Betreuung. Auch wenn in diesem Bereich große Fortschritte zu erkennen sind (auch seit der Veröffentlichung dieser Studie [Anm. d. Autors]), ist die Infrastruktur der meisten Frauenvereine stark ausbaufähig.

Spielbelastungen

Während 16 der männlichen Champions-League-Teilnehmer in der Saison 2008/2009 im Schnitt 59 Pflichtspiele und 230 Trainingseinheiten bestritten, waren es bei den Frauen 43 Pflichtspiele. Einzelne Frauenspielerinnen erreichen jedoch bis zu 65 Pflichtspiele, sodass die Zahl der Spiele nah beieinander liegt.

Konditionelle Leistungsfähigkeit

Laufleistung: Nach einer Studie von Mohr et al. (2008) konnten keine Differenzen zwischen Männern und Frauen bezüglich der Gesamtlaufleistung nachgewiesen werden. Die durchschnittlichen Laufleistungen liegen zwischen 10 und 12 Kilometern pro Spiel.

Laufintensitäten: Wie bei den Männern steigen die Laufintensitäten mit zunehmender Spielklasse. Frauenspielerinnen erreichen im Spiel jedoch signifikant geringere Laufleistungen im Bereich höherer Intensitäten. Während bei Frauen etwa 1680 Meter im hochintensiven Bereich absolviert werden, sind es bei Männern 2430 Meter. Dabei muss beachtet werden, dass Männer generell höhere Geschwindigkeitswerte erreichen können. Deshalb ist ein Vergleich schwierig, wenn gar nicht zulässig.
In einem leistunsdiagnostischen Setting erreichen Männer jedoch höhere Laufgeschwindigkeiten bei Laktatwerten im Blut von 4 mmol/L als die Frauen.

Sprintfähigkeiten: Männer erreichen signifikant bessere Wert in Bezug auf die lineare Sprintgeschwindigkeit und nicht-lineare Sprintgeschwindigkeit.

Sprungfähigkeit: Auch im Squat-Jump und Countermovement-Jump erzielen die Männer höhere Werte als die Frauen.

Talktics-Fazit
Obwohl diese Untersuchungen bereits einige Jahre alt sind, decken sie nach wie vor geltende Unterschiede zwischen dem Frauen- und Männerfußball auf. Die Unterschiede auf konditioneller Ebene (Laufleistung und -intensität) scheinen zum Teil geringer als erwartet. Im Bereich der Schnelligkeit und Sprungfähigkeit sind deutliche, naturgegebene, Unterschiede vorhanden. Diese können trotz modernster Trainingsmethoden und -technologien nicht kompensiert werden.
Um den Frauenfußball trotzdem voran zu bringen, sollte an den infrastrukturellen Voraussetzungen sowie verbesserten professionellen Bedingungen gearbeitet werden. Hierzu sind allerdings finanzielle Mittel unumgänglich, die den meisten Frauenteams nicht zur Verfügung stehen. Hier steht der DFB in der Pflicht, die Arbeit im und mit dem Frauenfußball zu verstärken, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Jansen, C., Baumgart, C., Hoppe, M. W., Thomann, R., & Freiwald, J. (2011). Geschlechtsspezifische Besonderheiten der konditionellen Anforderungen im Hochleistungsfußball der Frauen. Sport-Orthopädie-Sport-Traumatologie-Sports Orthopaedics and Traumatology27(1), 13-17.

Freiwald, J., Baumgart, C., Hoppe, M. W., Jansen, C., Cardoso, M., & Schneider, U. (2011). Ressourcenmodell, Leistungsdiagnostik und Training der konditionellen Fähigkeiten im Frauen-und Männerfußball. Sport-Orthopädie-Sport-Traumatologie-Sports Orthopaedics and Traumatology27(1), 27-34.