Stress im Trainerjob? Wie beansprucht sind deutsche Trainer?

Der Trainerjob kann phasenweise sehr stressig sein. Doch was genau löst Stress aus? Und wie unterscheiden sich das Belastungsempfinden und die Erholungsfaktoren von hauptamtlichen, nebenberuflichen und ehrenamtlichen Trainern?

Analyse der Beanspruchungs- und Erholungsbilanz deutscher Trainer (Altfeld & Kellmann, 2014)

Ziel der Studie

In dieser Untersuchung sollte die Bilanz zwischen Erholung und Bilanz deutscher Trainer/innen analysiert werden. Dabei wurden sowohl haupt- und nebenberufliche als auch ehrenamtliche Trainer/innen betrachtet.

Theoretischer Hintergrund

Da Trainer/innen einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt sind (Zeitaufwand, Erfolgsdruck, Erwartungen der Familie, etc.), die als „stressend oder beanspruchend erlebt werden können“, können diese kurzzeitige Leistungseinbußen und langfristige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Nachdem in der Vergangenheit hauptsächlich die Belastung der Athleten untersucht wurden, ist es ein notwendiger und logischer Schritt auch die Trainer/innen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Methode & Design

Die Stichprobe setzte sich aus 296 Trainer und Trainerinnen (66 Frauen und 230 Männer) mehrerer Mannschafts- und Individualsportarten zusammen, wie z.B. Fußball, Basketball, Tennis oder Schwimmen. Unter den Trainern/innen mit einem Altersschnitt von 37.41 Jahren waren sämtliche Ausbildungsniveaus vertreten, von keiner Lizenz und Übungsleitern bis zu Diplomtrainern und A-Lizenz-Inhabern. Sie verteilten sich folgendermaßen auf die verschiedenen Anstellungsverhältnisse: 78 hauptberufliche, 114 nebenberufliche und 104 ehrenamtliche Trainer/innen.

All diese Trainer unterzogen sich dem Erholungs-Belastung-Fragebogen für Trainer (EBF-Trainer). Dieser besteht aus 77 Items zur Erfassung potenzieller Belastungen und Erholungsaktivitäten der letzten drei Tage und Nächte.

Folgende Faktoren wurden damit erhoben:

  • Allgemeine Beanspruchung (Allgemeine Beanspruchung, Soziale Beanspruchung, Soziale Beanspruchung, Konflikte/Leistungsdruck, Übermüdung, Energielosigkeit, Somatische Beanspruchung)
  • Allgemeine Erholung (Erfolg, Soziale Erholung, Somatische Erholung, Allgemeine Erholung, Schlaf)
  • Trainerspezifische Beanspruchung (Gestörte Pause, Emotionale Erschöpfung)
  • Trainerspezifische Erholung (Persönliche Verwirklichung, In-Form-sein, Motivation als Trainer, Erfolg als Trainer, Selbstwirksamkeitsüberzeugung)

Die Fragen bezogen sich jeweils auf die Häufigkeit der Vorkommnisse und konnten von 0 (= „nie“) bis 6 (= „immerzu“) beantworten werden. Zusätzlich konnten sich die Probanden in zwei offene Fragen am Ende der Erhebung zu positiven bzw. negativen Ereignissen der vergangenen vier Wochen äußern.

Ergebnisse

Mittelwertprofile des EBF-Trainer für hauptberufliche, nebenberufliche und ehrenamtliche Trainer/innen (N = 296) mit Ergebnissen des Gruppenvergleichs (Altfeld & Kellmann, 2014)
  • Hauptberufliche Trainer/innen sind höher sozial beansprucht als nebenberufliche und ehrenamtliche Trainer/innen
  • Zudem haben sie signifikant geringere Werte im Bereich der Sozialen Erholung, dafür höhere Werte der Emotionalen Erschöpfung
  • Auch die Allgemeine Erholung ist deutlich niedriger ausgeprägt als die der nebenberuflichen Trainer/innen
  • Ehrenamtliche Trainer/innen zeigen höhere Werte der Emotionalen Erschöpfung als nebenberufliche Trainer/innen
  • Die häufigsten Belastungen für Trainer/innen sind Probleme mit den Athleten (16.7%), berufliche Belastungen (11.6%), Probleme mit Familie/Partner/Freunden (11.3%), Probleme mit dem Vorstand/Management (10.6%) und der zeitlich/organisatorische Aufwand (10.3%)
  • Die Erholungsfaktoren sind vor allem Urlaub/Freizeit (46.5%), positive Ereignisse mit Familie/Partner/Freunden (15.1%), positive Ereignisse bezüglich des Wettkampfs (12.0%) oder positive Ereignisse mit Athleten (8.1%)

Talktics-Fazit
Ein Großteil der Belastungs- und Erholungsfaktoren aller Trainer bezieht sich auf zwischenmenschliche bzw. soziale Aspekte (Probleme mit Athleten/Familie/Freunde/Vorstand, positive Ereignisse mit Familie/Partner/Freunden/Athleten). Dies verdeutlicht die immense Bedeutung von zwischenmenschlichen Kompetenzen, die soziale Konflikte vorbeugen und Potenziale der Erholung anhand von sozialen Kontakten schaffen können. Sowohl die bundesweiten Trainerausbildungen als auch die letztendliche Trainerarbeit sollten deshalb ein größeres Augenmerk auf die sozialen Beziehungen legen.

Ein weiterer auffälliger Punkt ist der zeitlich/organisatorische Aufwand, der als belastend wahrgenommen werden kann. Dem gegenüber stehen Urlaub/Freizeit als Erholungsfaktor. Hier gilt es für jeden Trainer selbst, eine gesunde Balance zu schaffen, um leistungsfähig zu bleiben und keine gesundheitlichen Einschränkungen davon zu tragen. Nicht alles sollte dem Trainerjob untergeordnet werden, stattdessen können andere Hobbys oder Zeit mit bedeutsamen Personen als Erholungsquelle dienen.

Altfeld, S., & Kellmann, M. (2015). Analyse der Beanspruchungs-und Erholungsbilanz deutscher Trainer. Zeitschrift für Sportpsychologie.